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Greenfield SIEM
Release 1.1 – Deployment-Fix: Garage-Bootstrap, vollständige .env, ClickHouse-Native-Port und idempotentes ClickHouse-Schema wurden gegenüber der ersten Greenfield-Version korrigiert.
Kompletter Neuaufbau des bisherigen Projekts. Vom Altprojekt bleibt absichtlich nur der HTTP-Ingress-Vertrag erhalten.
Was dieses Projekt löst
Der Eventpfad ist append-only, asynchron und auf große Datenmengen ausgelegt:
Windows Agents
│ POST /ingest
▼
Ingress API ──► PostgreSQL (nur Agent-Authentifizierung / Control Plane)
│
▼
Redpanda (persistente Queue, 24h Recovery-Puffer)
│
▼
Processor
├──► ClickHouse (normalisierte, durchsuchbare Events, 90 Tage)
└──► gzip Spool ──► Garage/S3 (Raw-Batches, 30 Tage)
│
└── rclone übernimmt Upload + Retention
ClickHouse ──► Detector ──► PostgreSQL (Detections / Status)
ClickHouse + PostgreSQL ──► API/UI
Keine Event-Zeilen in PostgreSQL. Keine MariaDB. Keine synchronen Detection-Abfragen im Ingress. Keine Raw-XML-Duplikate in ClickHouse.
One-click Deployment
Voraussetzung: Docker Engine / Docker Desktop mit Docker Compose Plugin.
Linux / macOS / WSL
chmod +x deploy.sh
./deploy.sh
Windows PowerShell
./deploy.ps1
Das Deployment vervollständigt bei jedem Start die .env, ohne vorhandene Secrets zu überschreiben. Fehlende Secrets werden kryptographisch zufällig erzeugt. Die Garage-Konfiguration wird anschließend automatisch von einem Compose-Init-Service erzeugt; ClickHouse-Schema und TTLs werden bei jedem Start idempotent geprüft. Danach werden die SIEM-Binaries gebaut und alle Dienste gestartet.
Danach:
- UI:
http://SERVER:8080/ui - Ingress:
http://SERVER:8090/ingest - Redpanda Console: lokal
http://127.0.0.1:8081 - Prometheus: lokal
http://127.0.0.1:9090
Beim ersten Start werden UI_USERNAME=admin und ein zufälliges UI_PASSWORD erzeugt. Browser fragen diese Zugangsdaten beim Öffnen von /ui ab.
Alle konfigurierbaren Parameter stehen in .env.example. deploy.sh/deploy.ps1 ergänzt fehlende Schlüssel automatisch in einer vorhandenen .env; damit werden auch unvollständige .env-Dateien aus der ersten Greenfield-Version repariert. Zugangsdaten lassen sich jederzeit mit ./credentials.sh anzeigen.
UI-Benutzer/Passwort und Enrollment-Key werden am Ende des Deployments ausgegeben und stehen außerdem in der geschützten .env. Die UI/API ist standardmäßig per HTTP Basic Auth geschützt; für Zugriff über ein fremdes Netz gehört zusätzlich TLS davor.
Bestehende Collector können den bisherigen Enrollment-Key weiterverwenden, ohne eine
.envvon Hand anzulegen. Linux/macOS/WSL:ENROLLMENT_KEY="ALTER_KEY" ./deploy.sh. PowerShell:$env:ENROLLMENT_KEY="ALTER_KEY"; ./deploy.ps1. Alle anderen Secrets werden trotzdem zufällig erzeugt.
Upgrade / Reparatur der ersten Greenfield-Version
Die erste ausgelieferte Greenfield-Version hatte drei Deployment-Probleme:
deploy/garage/garage.tomlwurde erst auf dem Host erzeugt und fehlte im ZIP; außerdem warrpc_public_addrfür das Single-Node-Setup ungünstig gesetzt.- ClickHouse exponierte nur HTTP
8123, nicht den nativen Client-Port9000. .enventhielt nur einen Teil der tatsächlich konfigurierbaren Parameter.
Mit dieser Version reicht im bestehenden Projektverzeichnis:
./deploy.sh
./doctor.sh
Das Deploy-Skript behält bestehende Secrets, ergänzt fehlende .env-Werte und erzeugt Garage-Konfiguration sowie ClickHouse-Schema über Compose-Init-Services neu. Die Daten-Volumes werden dabei nicht gelöscht.
Falls .env gelöscht wurde, aber alte PostgreSQL-Volumes mit einem unbekannten alten Passwort weiter existieren, kann dieses Passwort nicht automatisch rekonstruiert werden. In einer reinen Testinstallation ist dann ./reset-DANGEROUS.sh der saubere Neustart; bei produktiven Daten zuerst Backup beziehungsweise Passwort-Recovery durchführen.
ClickHouse-Zugang
ClickHouse besitzt zwei verschiedene Schnittstellen:
- HTTP:
127.0.0.1:8123 - nativer ClickHouse-Client:
127.0.0.1:9000
Benutzer, Passwort und Datenbank stehen vollständig in .env:
CLICKHOUSE_DB=siem
CLICKHOUSE_USER=siem
CLICKHOUSE_PASSWORD=...
CLICKHOUSE_HTTP_PORT=8123
CLICKHOUSE_NATIVE_PORT=9000
Am einfachsten:
./credentials.sh
docker compose exec clickhouse clickhouse-client \
--user "$(grep '^CLICKHOUSE_USER=' .env | cut -d= -f2-)" \
--password "$(grep '^CLICKHOUSE_PASSWORD=' .env | cut -d= -f2-)" \
--database "$(grep '^CLICKHOUSE_DB=' .env | cut -d= -f2-)"
Für DBeaver/DataGrip oder einen lokalen clickhouse-client den nativen Port 9000 verwenden. Port 8123 ist die HTTP-Schnittstelle, keine Login-Weboberfläche.
Garage-Zugang / Diagnose
Garage wird im Single-Node-Modus automatisch konfiguriert. Die Konfiguration liegt in einem Docker-Volume und muss nicht mehr als Host-Datei erzeugt werden. Prüfung:
docker compose exec garage /garage status
docker compose logs --tail=100 garage garage-config
S3 läuft lokal auf 127.0.0.1:3900. Access-Key, Secret-Key und Bucket stehen in .env.
Bestehender Ingress bleibt kompatibel
POST /ingest
X-API-Key: <agent-api-key>
X-Enrollment-Key: <nur bei Erstanmeldung erforderlich>
Content-Type: application/json
Beispiel:
[
{
"host": "CLIENT-01",
"channel": "Security",
"id": 4740,
"source": "windows-agent",
"ts": "2026-07-23T12:00:00Z",
"meta": {
"provider": "Microsoft-Windows-Security-Auditing",
"target_user": "alice",
"workstation": "CLIENT-42",
"src_ip": "10.10.20.15"
}
}
]
Alternativ darf msg weiterhin das bisherige Windows-XML enthalten. Der Processor extrahiert daraus die relevanten Felder. Das XML wird nicht als ClickHouse-Spalte gespeichert, sondern nur im komprimierten Raw-Archiv.
Erfolgreiche Aufnahme:
{"accepted":1}
HTTP 202 bedeutet: Der Batch wurde authentifiziert und dauerhaft in die Queue geschrieben. ClickHouse muss dafür nicht synchron antworten.
Speicherdesign
ClickHouse siem.events
Eine kanonische Tabelle enthält u. a.:
- Event- und Ingest-Zeit
- Agent / Host / Channel / Provider / Event-Code
- normalisierte
category,action,outcome,severity - User / Subject / Target User
- Source-/Destination-IP und Ports
- Workstation
- Logon-Type
- Prozess / Parent-Prozess / Commandline
- seltene XML-Felder in
attributes Map(String,String) - Raw-Object-Key + Index im archivierten Originalbatch
- Queue-Partition / Offset / stabile Event-UID
- Ingest-Verzögerung zur Erkennung von Agent-/Queue-Zeitproblemen
- häufige Authentifizierungsdetails (Domain, Status/Substatus, FailureReason, Auth-Package)
Häufig genutzte Felder werden nicht zusätzlich in attributes dupliziert. Die Map enthält nur unbekannte Restfelder, maximal 32 Einträge pro Event mit begrenzter Länge. Das vollständige Original bleibt im Raw-Archiv.
Die Tabelle verwendet ReplacingMergeTree, Monats-Partitionen und einen zeitbasierten Sortierschlüssel. Die Standard-TTL beträgt 90 Tage.
Deduplication
Die Pipeline ist absichtlich at-least-once. Ein Crash nach ClickHouse-Insert aber vor dem Redpanda-Commit kann einen Batch erneut liefern.
Daher erhält schon der Ingress-Batch eine stabile ID aus SHA-256(agent_id + Batch-Inhalt). Die Event-ID lautet:
<batch_uid>:<event-index-im-batch>
Damit werden sowohl ein Redpanda-Retry als auch ein identischer HTTP-Retry des Collectors als dasselbe Event erkannt. Queue-Partition und Offset werden zusätzlich nur zur Provenienz gespeichert.
- Eventtabelle:
ReplacingMergeTree - Detection-Zähler:
uniqExact(event_uid) - Dashboard-Rollups:
uniqExactState(event_uid)/uniqExactMerge
Wiederholte Verarbeitung verfälscht damit keine Zähler.
Dashboard-Rollup
siem.events_5m wird über eine Materialized View fortlaufend gepflegt. Die Startseite zählt nicht Millionen Einzelereignisse, sondern arbeitet auf dem 5-Minuten-Rollup.
Standard-Retention:
| Datenklasse | Retention |
|---|---|
| Vollständig durchsuchbare normalisierte Events | 90 Tage |
| 5-Minuten-Rollups | 730 Tage |
| Raw-Batches in Garage/S3 | 30 Tage |
| Redpanda Recovery-Queue | 24 Stunden |
| Detections / Agent-Metadaten | dauerhaft, bis organisatorisch bereinigt |
| Prometheus Betriebsmetriken | 30 Tage |
Anpassbar vor dem ersten Start in .env:
EVENT_RETENTION_DAYS=90
ROLLUP_RETENTION_DAYS=730
RAW_RETENTION=720h
KAFKA_RETENTION_MS=86400000
Detections in Version 1
Der Detector läuft unabhängig vom UI alle 30 Sekunden mit einem begrenzten Lookback und schreibt nur Findings in PostgreSQL.
Enthalten:
- Audit Log gelöscht (1102)
- Dienst installiert (7045)
- Account Lockout (4740)
- Failed Logon Burst (4625)
- Password Spray (4625 gegen viele Benutzer)
- privilegierte Gruppenmitgliedschaft geändert (4728 / 4732 / 4756)
Es gibt bewusst keine pauschale new_event_id-Detection mehr. Event 5857 und vergleichbare Betriebsereignisse sind normale Events, keine Incidents.
UI
/ui enthält:
- Eventzahl 24h aus Rollup
- aktive Hosts 24h
- offene High-/Critical-Detections
- Eventsuche nach Zeitraum, Host, User, IP, Event-ID und Channel
- Detection-Liste mit Statusänderung
- Agent-Liste / Last Seen
Die initiale Eventsuche ist auf 24 Stunden und 500 Ergebnisse begrenzt. Der ClickHouse-Sortierschlüssel beginnt mit Tenant und Event-Zeit; alle UI-Suchen besitzen zusätzlich ein hart begrenztes Zeitfenster und Ergebnislimit. Das verhindert wiederkehrende Vollscans über die gesamte Historie.
Raw-Event wiederherstellen
Die Eventliste enthält raw_object_key. Das Original ist ein gzip-komprimierter Ingress-Batch.
Einfacher über das mitgelieferte Hilfsskript:
./raw-event.sh '2026/07/23/12/<object>.json.gz' <raw_index>
Ohne raw_index wird der gesamte dekomprimierte Ingress-Batch ausgegeben. raw_index bezeichnet das Event innerhalb dieses JSON-Batches.
Stress-Test
Der Stress-Agent ist im selben Image enthalten und benötigt eine explizite Bestätigung:
docker compose run --rm ingress stress-agent \
--url http://ingress:8080/ingest \
--api-key stress-agent-key \
--enrollment-key "$(grep '^ENROLLMENT_KEY=' .env | cut -d= -f2-)" \
--scenario mixed \
--rate 5000 \
--batch 250 \
--duration 5m \
--confirm-load-test
Szenarien: mixed, failed-logon, lockout, catalog.
Nur in einer kontrollierten Umgebung beziehungsweise gegen das eigene SIEM verwenden.
Betriebschecks
Der schnellste Gesamtcheck:
./doctor.sh
Er prüft Containerstatus, HTTP-Readiness, Redpanda/Consumer-Lag, ClickHouse-Zeilen und Speicher, aktuelle Ingest-Verzögerung, Control-Plane-Zähler, Raw-Spool und aktuelle Fehler.
Zusätzlich:
docker compose ps
docker compose logs -f ingress processor detector api
Ingress:
curl http://127.0.0.1:8090/healthz
curl http://127.0.0.1:8090/readyz
ClickHouse Zeilenzahl / Speicher:
docker compose exec clickhouse clickhouse-client \
--user "$(grep '^CLICKHOUSE_USER=' .env | cut -d= -f2-)" \
--password "$(grep '^CLICKHOUSE_PASSWORD=' .env | cut -d= -f2-)" \
--query "SELECT formatReadableQuantity(sum(rows)), formatReadableSize(sum(bytes_on_disk)) FROM system.parts WHERE database='$(grep '^CLICKHOUSE_DB=' .env | cut -d= -f2-)' AND table='events' AND active"
Queue:
docker compose exec redpanda rpk group describe siem-processor-v1
Hardware für das Single-Node-Deployment
Für einen Test reichen typischerweise 4 CPU-Kerne, 8 GB RAM und SSD-Speicher. Für eure bisher beobachtete Produktivrate würde ich mindestens 8 Kerne, 16 GB RAM und schnelle lokale NVMe einplanen. Die benötigte SSD-Größe hängt stark von Eventgröße, Commandlines und Raw-XML ab; ./doctor.sh zeigt die reale Kompression und Wachstumsrate, sodass die Retention nach einigen Tagen anhand echter Werte dimensioniert werden kann.
Kapazität
Die bisher beobachteten ca. 19,2 Mio. Events in 48 Stunden entsprechen nur rund 111 Events/s. Das ist für ClickHouse/Redpanda eine kleine Last. Der neue Pfad ist bewusst für deutlich höhere Raten gebaut; die reale Grenze hängt vor allem von CPU, SSD-Durchsatz, Eventgröße, Anzahl der Hosts und Query-Last ab.
Für hohe Last zuerst skalieren:
KAFKA_PARTITIONSerhöhen und mehrere Processor-Instanzen starten.- ClickHouse auf schnelle lokale NVMe legen.
- Redpanda und ClickHouse nicht auf dieselbe langsame Netzwerkplatte legen.
- Raw-Retention reduzieren, wenn XML sehr groß ist.
- Erst ab echtem Bedarf ClickHouse / Redpanda / Garage als Mehrknoten-Cluster betreiben.
Single-node vs. HA
compose.yml ist ein One-click Single-node Deployment. Es eliminiert die bisherigen Architekturprobleme, ist aber kein hochverfügbarer Cluster: fällt der eine Docker-Host aus, sind alle Komponenten betroffen.
Für echte HA sind mindestens sinnvoll:
- 3 Redpanda Broker, Replication Factor 3
- repliziertes ClickHouse (oder ClickHouse Cloud)
- 3 Garage Nodes / anderes redundantes S3
- PostgreSQL mit Backup/Replica
- Reverse Proxy/TLS und zentraler Identity Provider vor UI/API
Die Anwendungskomponenten selbst sind stateless und können danach horizontal vervielfacht werden.
Sicherheit
- Datenbank-, Redpanda-, Garage- und Prometheus-Adminports binden standardmäßig nur an
127.0.0.1. - Nur Ingress und UI binden standardmäßig an
0.0.0.0. - UI/API verlangen ein beim Deployment zufällig erzeugtes Basic-Auth-Passwort.
- Für produktiven externen Zugriff gehört trotzdem TLS/Reverse-Proxy vor Ingress und UI, da Basic Auth allein keine Transportverschlüsselung bietet.
.enventhält Secrets und darf nicht ins Repository.- Der Ingress speichert ausschließlich SHA-256-Hashes der Agent-API-Keys in PostgreSQL.
- Raw-Logs können personenbezogene Daten enthalten. Retention und Zugriffsrechte entsprechend festlegen.
Projektstruktur
cmd/siem ein Binary, mehrere Rollen
internal/ingress kompatible HTTP-Aufnahme
internal/queue Redpanda/Kafka Producer + Consumer
internal/processor Normalisierung + ClickHouse + Raw-Spool
internal/normalize Windows XML / Meta → kanonisches Event
internal/clickhouse ClickHouse HTTP-Client
internal/postgres Agenten + Detections
internal/detector kontinuierliche Regeln
internal/api Investigation API + UI
internal/stress begrenzter Lastgenerator
doctor.sh Pipeline-/Kapazitätsdiagnose
raw-event.sh Raw-Archiv abrufen
deploy/clickhouse analytisches Schema
deploy/postgres Control-Plane-Schema
compose.yml erzeugt Garage-Konfiguration zur Laufzeit aus `.env`
deploy/prometheus Betriebsmetriken
Reset
Nur wenn wirklich alle Daten weg sollen:
./reset-DANGEROUS.sh
Das Skript verlangt zusätzlich die Eingabe DELETE und entfernt anschließend die Docker-Volumes.